Deutschlands Luftverkehr verliert Anschluss
Der europäische Luftverkehr setzte 2025 seinen dynamischen Expansionskurs fort. Deutschland hingegen verlor weiter an relativer Bedeutung. In vielen europäischen Staaten wurde inzwischen mehr geflogen als vor der Pandemie, während das Angebot ab deutschen Flughäfen auch 2025 deutlich unter dem Vorkrisenniveau lag. Der Abstand zwischen Deutschland und dem übrigen Europa weitete sich auf 19 Prozentpunkte aus, nachdem er im Vorjahr 18 Prozentpunkte betragen hatte. Diese Entwicklung geht aus den aktuellen Jahreszahlen des Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft hervor.
Die von der Bundesregierung im November beschlossenen Entlastungen – unter anderem bei der Luftverkehrsteuer – werden als erster sinnvoller Schritt gewertet. Nach Einschätzung des Verbands reichen diese Maßnahmen jedoch nicht aus, damit Deutschland wieder stärker am europäischen Wachstum teilhaben kann.
Zwar erhöhte sich die Zahl der Fluggäste an deutschen Flughäfen 2025 um 3,6 Prozent auf rund 219,6 Millionen. Das Angebot erreichte jedoch lediglich 89 Prozent des Niveaus von 2019. Im europäischen Durchschnitt lag das Sitzplatzangebot bereits bei 106 Prozent des Vorkrisenwerts, ohne Deutschland sogar bei 108 Prozent. Damit zählt Deutschland weiterhin zu den schwächeren Standorten im europäischen Vergleich.
Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Dr. Joachim Lang, erklärte bei der Präsentation der Zahlen, dass Europa so viel Flugverkehr verzeichne wie nie zuvor, Deutschland jedoch vom Aufschwung weitgehend abgekoppelt bleibe. Der wachsende Abstand zu den europäischen Nachbarn sei ein ernstzunehmendes Signal für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.
Parallel zu den Passagierzahlen entwickelte sich auch das Geschäft der Bodenverkehrsdienste. Im Bereich Travel Retail, zu dem unter anderem Duty-Free-Angebote zählen, machte sich jedoch vielerorts eine angespannte wirtschaftliche Lage bemerkbar: Die durchschnittlichen Ausgaben pro Passagier gingen zurück.
Angebotsentwicklung bleibt deutlich hinter Europa zurück
Besonders auffällig ist die schwache Entwicklung im Segment der europäischen Punkt-zu-Punkt-Airlines. Während dieses Marktsegment in vielen Ländern Wachstumstreiber ist, wird Deutschland zunehmend gemieden. Das Sitzplatzangebot dieser Airlines liegt hier nahezu 50 Prozentpunkte hinter dem restlichen Europa.
Zugleich schrumpft das innerdeutsche Streckennetz weiter. Seit 2019 wurde mehr als ein Drittel der Inlandsverbindungen eingestellt. Dadurch gingen wichtige Verbindungen verloren, insbesondere für die Anbindung regionaler Wirtschaftszentren an die internationalen Drehkreuze Flughafen Frankfurt am Main und Flughafen München.
Als zentrale Ursache benennt der Verband die im internationalen Vergleich hohen staatlichen Standortkosten. Im Jahr 2025 stiegen die Belastungen um weitere 1,1 Milliarden Euro auf insgesamt rund 4,3 Milliarden Euro. Unter diesen Bedingungen könne der deutsche Luftverkehr nicht schneller wachsen als der europäische Durchschnitt – was jedoch erforderlich wäre, um die bestehende Lücke zu schließen, so die Einschätzung des Hauptgeschäftsführers.
Die im November vom Koalitionsausschuss beschlossenen Entlastungen werden als geeignet bewertet, weitere Verluste an Konnektivität zu verhindern. Für eine echte Rückkehr in die Wachstumsspur seien jedoch zusätzliche Maßnahmen notwendig.
Schweden als Beispiel für schnelle Effekte
Wie stark politische Rahmenbedingungen wirken können, zeigt der Blick nach Schweden. Dort wurde die Luftverkehrsteuer Mitte 2025 vollständig abgeschafft. Bereits im zweiten Halbjahr stieg das Sitzplatzangebot auf Flügen ab Schweden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich an – trotz zusätzlicher Belastungen durch den Marktaustritt einer bedeutenden regionalen Fluggesellschaft. Im Dezember 2025 lag das Angebot bereits acht Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats.
Nach Einschätzung von Dr. Lang belegt dieses Beispiel, wie rasch verbesserte Rahmenbedingungen zu neuem Wachstum führen können. Für Deutschland bedeute dies, dass ein international wettbewerbsfähiges Kostenniveau erforderlich sei, damit Fluggesellschaften wieder verstärkt investieren.
Darüber hinaus müsse sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene für faire Wettbewerbsbedingungen zwischen EU- und Drittstaaten-Airlines einsetzen. Eine Ungleichbehandlung bestehe etwa bei der seit 2025 verpflichtenden Nutzung nachhaltiger Kraftstoffe bei Flügen mit Start in der EU. Diese Regelung belaste europäische Anbieter einseitig und führe nicht zwangsläufig zu einer tatsächlichen Emissionsminderung, da Verkehre in andere Regionen verlagert würden.
Luftfracht wächst – aber Vorsprung schmilzt
Auch im Bereich der Luftfracht zeigte sich 2025 ein moderates Wachstum. An deutschen Flughäfen wurden rund 4,86 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen – ein Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit lag das Volumen leicht über dem Wert von 2019.
Treiber dieser Entwicklung waren vor allem temporäre Nachfrageeffekte infolge der US-Zollpolitik. Die Ankündigung neuer Handelsbarrieren führte dazu, dass Unternehmen beiderseits des Atlantiks kurzfristig Lagerbestände aufstockten. Die Ausladungen stiegen um 2,1 Prozent, die Einladungen um 1,2 Prozent.
Im europäischen Vergleich wird jedoch deutlich, dass Deutschland seine Stellung als führender Logistikstandort aktiv verteidigen muss. Zwar konnte der Flughafen Frankfurt am Main 2025 erneut den Titel als größter Frachtflughafen Europas übernehmen, doch andere Standorte gewinnen weiter an Bedeutung. Europaweit wuchs das Frachtaufkommen um 2,9 Prozent, global sogar um 3,4 Prozent.
Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes betonte, dass auch im Frachtsegment wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen entscheidend seien. Wenn Deutschland seine Rolle als zentrale Drehscheibe globaler Lieferketten sichern wolle, müssten Kostenstrukturen und regulatorische Vorgaben dauerhaft auf ein international konkurrenzfähiges Niveau gebracht werden.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von BDL – Bundesverband der Dt. Luftverkehrswirtschaft/Veröffentlicht am 18.02.2026
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