Kerosinpreise setzen Europas Luftverkehr unter Druck
Die angespannte Versorgung mit Kerosin in Europa treibt die Treibstoffkosten spürbar nach oben und erhöht den Druck auf den Luftverkehr. Nach Einschätzung des Flughafenverbands ADV sind deutliche Folgen für Kapazitäten, Konnektivität und den Standort Deutschland zu erwarten – und das ausgerechnet zum Start der Sommerreisezeit.
ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel machte deutlich, dass die stark gestiegenen Kerosinpreise und die wachsenden Versorgungsrisiken die Airlines massiv belasteten. Dies wirke sich unmittelbar auf das Flugangebot aus. Kerosin gehöre zu den wichtigsten Kostenfaktoren im Luftverkehr, sodass Preissteigerungen die Wirtschaftlichkeit vieler Verbindungen direkt beeinträchtigten. Vor allem weniger rentable Strecken gerieten dadurch zunehmend unter Druck. Die Fluggesellschaften reagierten bereits mit Anpassungen ihrer Kapazitäten und der Streichung einzelner Verbindungen.
Ursache der Entwicklung sind geopolitische Spannungen im Nahen Osten sowie strukturelle Schwächen in der europäischen Kerosinversorgung. Ein großer Teil der Kerosinimporte in die Europäische Union kommt aus der Golfregion, wobei mögliche Lieferausfälle nur begrenzt ausgeglichen werden können. Gleichzeitig bleiben die Raffineriekapazitäten knapp. Selbst bei einer Entspannung der politischen Lage ist daher kurzfristig nicht mit einer raschen Normalisierung zu rechnen.
Umfrage macht Anfälligkeit der Versorgung sichtbar
Eine aktuelle ADV-Umfrage unter deutschen Flughäfen zeigt, wie verletzlich die Versorgungsstrukturen sind. Demnach werden rund 63 Prozent des Kerosins per Lkw angeliefert, während Pipeline-Verbindungen nur etwa 11 Prozent ausmachen. Auch die Schiene mit 19 Prozent und Binnenschiffe mit 4 Prozent spielen bislang lediglich eine Nebenrolle. Hinzu kommt eine angespannte Situation bei den Lagerkapazitäten: 27 Prozent der Flughäfen verfügen über Reserven für weniger als drei Tage, weitere 45 Prozent können Bestände für drei bis sieben Tage vorhalten. Zwar seien die Lager derzeit ausreichend gefüllt, die vorhandenen Puffer blieben jedoch begrenzt.
Beisel warnte, dass die Versorgung momentan zwar stabil erscheine, aber nur wenig widerstandsfähig sei. Bei anhaltenden Störungen der Lieferketten könne sich die Lage sehr schnell verschärfen und in einen Versorgungsengpass münden.
Weltweite Kürzungen zeigen die Dynamik der Entwicklung
Die Auswirkungen sind laut ADV bereits international zu beobachten. In Skandinavien streicht SAS rund 1.000 Flüge. In Kanada stellt Air Canada mehrere Strecken ein, um Treibstoffkosten zu senken. In Australien verlagert Qantas Kapazitäten und reduziert das Inlandangebot. Diese Maßnahmen gelten als direkte Reaktionen auf steigende Kosten und Unsicherheiten in der Treibstoffversorgung.
Risiken für den Standort Deutschland
Beisel betonte, dass Deutschland mit sinkenden Kapazitäten unmittelbar internationale Anbindung verliere. Dies treffe sowohl den Tourismus als auch den Geschäftsreiseverkehr und exportorientierte Branchen. Eine schwächere Konnektivität gefährde Investitionen, Wertschöpfung und Beschäftigung und verschärfe zugleich den Wettbewerb mit anderen internationalen Luftverkehrsstandorten.
ADV verlangt rasches politisches Handeln
Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Lage fordert der Flughafenverband ADV ein schnelles und entschlossenes Eingreifen der Bundesregierung sowie abgestimmte Maßnahmen auf europäischer Ebene. Zentrale Aufgabe sei es, die Kerosinversorgung zu stabilisieren, etwa durch die Freigabe strategischer Reserven und kurzfristige Erleichterungen bei Importen. Zugleich müsse die Markttransparenz deutlich verbessert werden, beispielsweise durch ein verlässliches Monitoring von Beständen und Lieferketten. Darüber hinaus sollten Unternehmen entlang der gesamten Luftverkehrswertschöpfungskette vorübergehend bei Steuern und Abgaben entlastet werden, um den steigenden Kostendruck abzufedern und die Funktionsfähigkeit des Systems zu sichern.
Abschließend erklärte Beisel, die stark steigenden Kerosinpreise seien ein deutliches Warnsignal. Daran werde sichtbar, dass sich die geopolitische Krise bereits unmittelbar auf das Luftverkehrssystem auswirke. Nun müsse gegengesteuert werden, um weitere Einschnitte bei Kapazitäten und Konnektivität zu verhindern.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von ADV Deutsche Verkehrsflughäfen/Veröffentlicht am 20.04.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.